Vom Gdynia-Taxi „Kasia“ zum Agraf-Aushängeschild

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Es klingt wie ein Traum von Warschau, obwohl jedes Wort der Wahrheit entspricht. Durch Olsztyn fährt ein Warszawa in Elfenbeinfarbe mit einer charakteristischen, im Retro-Stil gehaltenen Aufschrift auf der Tür: „Przedsiębiorstwo reklamowe Agraf“ (Werbeunternehmen Agraf). Er gehört Rafał Sadowski, dem Eigentümer von Agraf. Man könnte meinen, es sei eine fahrende Werbefläche. Sicher, das ist er auch. Aber Rafał nutzt den über 40 Jahre alten Warszawa als Reisefahrzeug. Wo er damit nicht schon überall war! Insgesamt hat er 13 Länder gezählt, die er mit Hilfe des Warszawa bereist hat. Doch diesmal geht es nicht um die Reisen, denn erst vor Kurzem stellte sich in einem lockeren Gespräch heraus, dass ich ein Stück der Vergangenheit dieses Warszawa kenne, die dem heutigen Besitzer unbekannt war – eine Vergangenheit aus der Zeit, bevor er aus Gdynia nach Olsztyn kam. Ich wohnte damals als junger Journalist der Gazeta Wyborcza dort. Ich mobilisierte mein gesamtes Handwerkszeug aus dem Studium und eilte herbei, um meine erste Reportage über den angeblich kultigen Herrn Janek zu schreiben, der am Taxistand am Bahnhof Gdynia-Chylonia nicht in irgendeinem Auto auf Kundschaft wartete, sondern in einem graublauen Warszawa. Seit einem Vierteljahrhundert! Herr Janek war in der Tat ein perfekter Interviewpartner. Er sprudelte nur so vor Geschichten aus den goldenen Zeiten, als er Seeleute nach ihren Fahrten mit taschenweise Devisen zu den Tanzlokalen der Dreistadt chauffierte. Herr Janek wuchs so sehr mit seinem Warszawa zusammen, dass er ihm den Namen „Kasia“ gab. Er erzählte mir auch die Geschichte, wie Olaf Lubaszenko, der damals sein Regiedebüt „Sztos“ in der Dreistadt drehte, Herrn Janek am Taxistand in Chylonia entdeckte. Er warb ihn und seinen Warszawa für das Filmset an, das in die 1970er Jahre versetzt war. Kasia spielte eine kleine Episode in „Sztos“, jedoch fielen die Aufnahmen beim Schnitt der Schere zum Opfer. Vor acht Jahren kaufte Rafał Sadowski den Warszawa schließlich von Herrn Janek. Er stöberte ihn über ein Internetportal unter drei anderen Warszawa-Exemplaren auf. Das Fahrzeug aus Gdynia hatte jedoch eine Gemeinsamkeit mit Rafał: Sie stammten aus demselben Jahrgang, sodass die Wahl nur noch reine Formsache war. „Ich erinnere mich noch, als ich damit auf die Straße fuhr, landete ich sofort auf der Nachbarspur – so viel Spiel hatte die Lenkung. Herr Janek riet mir auch, nicht schneller als 60 km/h zu fahren. Kein Wunder, da die Räder nicht ausgewuchtet waren. Für die Rückfahrt nach Olsztyn brauchte ich sechs Stunden“, erinnert er sich. Gezeichnet von einer Million Kilometern musste der Warszawa für zwei Jahre in eine Komplettrestaurierung. Seit der Restaurierung hat der Warszawa über 50.000 km zurückgelegt – nicht nur in Polen, sondern auch in Litauen, Lettland, den Niederlanden, England, Schottland, Deutschland, Tschechien, der Slowakei, Schweden und Russland. Dieses Jahr war er in Vilnius. In der Altstadt riefen überraschte Polen begeistert: „Schau mal, unsere polnische Syrena in Litauen!“

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