Der Warschauer Taxifahrer: Die Geschichte von Herrn Janek und seinem kultigen Warszawa „Kasia“

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Der Warschauer Taxifahrer

Er gehört zu den ältesten Taxifahrern in der Dreistadt. Seit fast dreißig Jahren fährt Herr Janek denselben Warszawa. Er hat ihn „Kasia“ genannt. Mit seinem Fahrzeug hat er bereits rund 2 Millionen Kilometer zurückgelegt.

Seinen Nachnamen möchte der Taxifahrer nicht verraten. „Es soll einfach bei Herr Janek bleiben, so nennen mich alle“, stellt er fest. Er kaufte den fabrikneuen Warszawa im April 1970 für 120.000 Złoty. Das durchschnittliche Monatsgehalt lag damals zwischen 1.300 und 1.500 Złoty.

Anfang der 1970er Jahre war es ein modisches Auto und neben dem Wolga das einzige, das sich als Taxi eignete. So begründet Herr Janek seine damalige Wahl. Bereut hat er sie nie. Dank seines Warszawa gehört er seit Jahren zu den bekanntesten Chauffeuren der Dreistadt. Es vergeht kein Tag, an dem nicht eine Gruppe Neugieriger auf ihn zukommt, die eine Fahrt in einem echten Oldtimer machen möchte.

„Es kommen Junge und Ältere, die mein Auto voller Nostalgie betrachten. Manche wollen nur aus Neugier oder zum Spaß mitfahren. Andere machen Erinnerungsfotos“, erzählt Herr Janek.

Nicht selten fährt er als Erster vom Taxistand ab, obwohl er eigentlich ganz hinten in der Schlange steht. Das liegt auch an seiner Herzlichkeit und seinem Talent als Geschichtenerzähler. Daher stammt auch sein Spitzname: Janek „Gutes Herz“. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung hinter dem Steuer (45 Jahre) wird er auch respektvoll „Papa“ genannt.

Ein echter Blickfang

Der Taxifahrer wuchs so sehr mit seinem Warszawa zusammen, dass er beschloss, ihm einen Namen zu geben: Kasia.

„Bekannte nannten meinen Wagen Kleopatra oder Pelasia. Ich habe ihnen erklärt, dass es ein schöner Name sein muss, so wie ein hübsches, charmantes Mädchen. Der Name Kasia hat mir schon immer gefallen, und dabei ist es geblieben“, fügt der Besitzer hinzu.

Aufgrund ihres Alters benötigt Kasia besondere Pflege. Jeden Tag überprüft Herr Janek gründlich den Motor, kontrolliert das Spiel und füllt Flüssigkeiten nach. Mehrmals wöchentlich wäscht er das Auto mit Wasser und einem Spezialmittel, das Kasia Glanz verleiht. Jedes Jahr werden eine Inspektion und eine Unterbodenkonservierung durchgeführt. Alle kleineren Reparaturen erledigt der Fahrer sofort selbst. Mit Ersatzteilen gibt es überhaupt kein Problem: Im Keller von Herrn Janek liegen so viele Komponenten, dass man daraus einen zweiten Warszawa zusammenbauen könnte. Kein Wunder, dass Herr Janek mit seinem Warszawa zwei Millionen Kilometer zurücklegen konnte.

„Einen solchen Kilometerstand würde ein einzelner Motor leider nicht aushalten. In meiner Kasia arbeitet bereits der dritte. Was die Karosserie betrifft, wurden die vorderen Kotflügel jedoch nur ein einziges Mal ausgetauscht. Der Rest befindet sich in einwandfreiem Zustand“, schwärmt der Taxifahrer.

Tatsächlich präsentiert sich das Fahrzeug hervorragend. Nirgendwo gibt es Spuren von Korrosion, die Türen schließen mit erstaunlicher Leichtigkeit, und in den verchromten Stoßstangen kann man sich spiegeln. Im Winter fährt das Auto problemlos auf den Straßen – Schnee und Frost können ihm nichts anhaben. Auch längere Strecken legt der Besitzer ohne Bedenken zurück.

„Die längste Fahrt, an die ich mich erinnere, ging nach Breslau – 520 Kilometer für eine Strecke. Ich habe damals einen Seemann der MS ‚Batory‘ befördert. Es gab auch Fahrten nach Stettin oder Suwałki“, erzählt der Eigentümer. „Kasia läuft wie ein junges Mädchen und scheut keine langen Distanzen. Noch heute schafft sie 125 Kilometer pro Stunde. Natürlich kann jederzeit etwas kaputtgehen, aber ich weiß immer genau, wo sie der Schuh drückt.“

Man heiratet nur einmal

Der Taxifahrer hatte in dreißig Jahren keinen einzigen Unfall. Er fährt vorsichtig und hält sich an den Grundsatz „Eile mit Weile, dann kommst du wohlbehalten an“.

„Ich habe mir die Worte meines Fahrlehrers zu Herzen genommen: ‚Wenn du leben willst, fahre maximal 100 Kilometer pro Stunde.‘ Bis Tempo 100 beherrscht der Fahrer das Auto, darüber beherrscht das Lenkrad den Fahrer“, sagt Herr Janek.

Der Taxifahrer aus Gdynia wird oft für Hochzeiten gebucht. Dann wird ein Dekorateuer engagiert, der den Wagen nach den Wünschen des Brautpaars schmückt.

„Eine feste Preisliste für Hochzeiten habe ich nicht, aber der Bräutigam spart an diesem Tag meist nicht. Sie geben zwischen ein- und dreihundert Złoty. Ich tröste ihn immer: Man heiratet nur einmal, aber die Freude bleibt fürs ganze Leben“, meint der beliebte „Papa“. „Wenn das Brautpaar es wünscht, kann ich Kasia sogar mit der Handkurbel anwerfen“, fügt er hinzu.

Vor einer großen Entscheidung stand Herr Janek vor acht Jahren, als ihm ein Deutscher anbot, den Warszawa gegen einen weißen Mercedes W123 250E einzutauschen. Den Taxifahrer schreckte jedoch der große Sechszylindermotor ab.

„Wäre es ein Diesel gewesen, hätte ich gründlich darüber nachgedacht, aber ein Benziner entsprach nicht meinen Vorstellungen. Meine Kasia verbraucht 10 Liter, im Winter 12 – was hätte da erst so ein Mercedes verbraucht! Außerdem habe ich nach Jahren festgestellt, dass es ein Fehler gewesen wäre. Heute weiß ich, dass ich in kein anderes Auto mehr umsteigen werde. Ich liebe diesen Wagen genau so, wie man einen Menschen oder ein Tier liebt. Es würde mir sehr schwerfallen, mich von ihm zu trennen“, erzählt Herr Janek voller Emotionen.

Filmtaxi

Über Herrn Janek wurden bereits zahlreiche Artikel und mehrere Fernsehberichte veröffentlicht. Zusammen mit Kasia spielte er sogar eine kleine Nebenrolle im Film „Sztos“.

„Eines Tages, als ich am Taxistand stand, kam Olaf Lubaszenko auf mich zu. Er war von meinem Warszawa fasziniert und bot mir einen Auftritt im Film an, der gerade gedreht wurde. Das war eine große Ehre für mich, also habe ich sofort zugesagt. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit Kasia mehrmals am Grand Hotel in Sopot vorbeifuhr, während Jan Nowicki und Edward Linde-Lubaszenko mit der Kamera hinter uns waren. Ich hatte natürlich geänderte Kennzeichen und ein Taxi-Schild auf dem Dach“, erinnert sich der Fahrer.

Seit dreißig Jahren steht Herr Janek am selben Taxistand am Bahnhof Gdynia-Chylonia. Außer sonntags kommt er jeden Tag gegen 16:00 Uhr und fährt erst nach der letzten S-Bahn nach Hause. Wie er sagt, wird er noch zwei oder drei Jahre Taxi fahren – vorausgesetzt, die Gesundheit spielt mit. Er meint, der immer teurere Kraftstoff werde ihm den Rest geben. Zudem stehen Taxifahrern immer härtere Zeiten bevor.

„Ich erinnere mich noch daran, wie vor etlichen Jahren die Kunden Schlange standen. Jeden Tag ist man Dutzende Fahrten gefahren. Heute gibt es um ein Vielfaches mehr Taxis, und die meisten Menschen haben eigene Autos. Die guten Zeiten sind vorbei“, klagt der Taxifahrer. Er weiß nur noch nicht, was aus Kasia werden soll. Verkaufen möchte er sie nicht, da sie das einzige Auto ist, das er in seinem Leben besessen hat. Wie er sagt, wird er sie wohl als Erinnerungsstück behalten und weiter pflegen.

Das älteste Taxi der Dreistadt, der Warszawa Kasia, ist mittlerweile 29 Jahre alt.

(Autor: RAFAŁ RADZYMIŃSKI)

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